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Igel - Überwinterung

grosser Saal

Anfang Oktober erreichte uns die Anfrage der Grundschule Hinterhain in Auerbach, ob wir nicht einen Igel in unserer Obhut hätten, der im Rahmen einer Projektwoche als Stargast die Schülerinnen und Schüler besuchen möchte.

Leider war bei uns kein Igel, und einen wilden Igel wollten wir nicht fangen. Also riefen wir bei Frau Corinna Heinrich in Bad Elster an, ob Sie uns nicht weiterhelfen könnte. Frau Heinrich betreibt eine Wildtier-Auffangstation und hat sich über die Jahre einen fabelhaften Ruf als Igel- und Vogelexpertin erarbeitet. In Bad Elster peppelt sie kranke oder allein gelassene Igel auf und unterstützt sie, bis sie, meist im Frühjahr, wieder in die Wildnis entlassen werden. Sie erklärte sich bereit, uns einen Igel zur Anschauung „auszuleihen“. Im Gespräch ergab sich die Möglichkeit, einen oder mehrere Igel nicht nur für die kurze Visite in der Klasse mitzunehmen, sondern ihnen bei uns im Zentrum einen Unterschlupf für den Winter zu bieten.

Igel haben es zurzeit nicht leicht. Sie werden häufig von Autos überfahren, immer öfter geraten sie auch unter die Messer von Rasenmäher-Robotern. Es gibt die einen oder anderen Parasiten, die ihnen zu schaffen machen. Und dann haben wir noch nichts zu Klimawandel und Rückgang der Insekten gesagt! Igel sind, wie Maulwürfe und Spitzmäuse, Insektenfresser. Sie ernähren sich am liebsten von Käferlarven und anderen Krabbeltieren, hier und da fällt ihnen auch mal ein wehrloses Säugetier zum Opfer. Schnecken schmecken ihnen, entgegen der weitläufigen Annahme, weniger. Was den Klimawandel und die allgemeine Erhöhung der Durchschnittstemperatur betrifft, würde man meinen, der Igel als Winterschlaf haltendes Tier würde diese Entwicklung begrüßen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Igel bauen sich durch Laub gut isolierte Winterbehausungen. Sie fallen in einen mehr oder weniger tiefen Schlaf, ihr Stoffwechsel fährt herunter, ihre Körpertemperatur liegt teilweise bei 5°C. Wenn die Temperaturen in den Wintermonaten nun sehr mild sind, wird der Igel munter und begibt sich auf Nahrungssuche. Dies ist fatal, da er dabei Energie verbraucht, aber aufgrund der Jahreszeit nichts zu fressen findet.

In Anbetracht dieser Notlage haben wir uns entschlossen, drei von Frau Heinrich per Hand aufgezogenen Igeln ein sicheres Winterquartier zu bieten. Kurzerhand errichteten wir ein Gehege, stellten zwei Igelhäuser aus unserer Werkstatt und ein Futterhäuschen hinein. Die drei Igel haben wir an der Auffangstation abgeholt und sind mit Ihnen nach Hinterhain zur Klasse 2a gefahren, wo sie bestaunt und bewundert wurden. Daraufhin haben wir sie in unseren im Sommer angelegten Wildbienengarten gebracht, wo sie ihr neues Zuhause finden sollten.

Seit nun sechs Wochen sind die drei bei uns, sie kuscheln sich zu dritt in eines der beiden Häuschen. Wir füttern sie vor allem mit Katzenfutter und ab und an einem Ei, dazu haben sie immer frisches Wasser. Jetzt, wo die Temperaturen sinken, haben wir sie ein letztes Mal gewogen, um sicher zu gehen, dass sie sich genügend Speck für den Winter angefressen haben. Im besten Fall fressen die drei immer weniger, ziehen sich bald komplett zurück in ihr Häuschen und begeben sich in Winterruhe. Wir werden sie beobachten und begleiten, in milden Zeiten zufüttern und hoffen, dass sie gut durch die dunkle Jahreszeit kommen.

Wir freuen uns schon darauf, sie im Frühjahr in die Natur entlassen zu können.

Zu guter Letzt einen lieben Dank an Frau Heinrich für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung.

Wenn Sie irgendwelche Fragen haben in Bezug auf Igel, ihre Lebensart, welchen Gefahren sie ausgesetzt sind und wie wir sie schützen und unterstützen können, melden Sie sich gerne bei uns. Entweder können wir Ihnen direkt helfen oder wir leiten Sie weiter.

Allgemeine Informationen finden Sie hier: https://www.pro-igel.de/checkliste-erste-hilfe/

Kontakte zu Wildtierauffangstationen finden Sie hier: https://www.wildtierschutz-deutschland.de/wildtiere-sachsen-dresden-leipzig

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